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Mittwoch, 12. Dezember 2012

Das Rittersöhnchen

Hallo! Ich bin Daniel. Geschlecht: männlich. Nähere Informationen bezüglich meiner Person entnehmen Sie bitte der nachfolgenden Erzählung.
Steht er mir, oder steht er mir nicht? Verflucht, ich fürchte, ich habe den Kontakt zu meiner unteren Hälfte verloren! Houston, wir haben ein Problem! Was tut sich da, in den unteren Regionen? Oder ist die Frage bereits im Ansatz falsch formuliert? Und dabei heißt es immer, wir Männer würden nur mit dem Schwanz denken. Wenn es bloß so wäre. Nach wochenlangem Werben, endlosen Stunden des einfühlsamen Zuhörens und unzähligen selbstverfassten SMS-Gedichten, sehe ich die schwarz-weiß karierte Zielflagge endlich wild hin- und her schwenkend und zum Greifen nah, vor mir. Ich liege nun dort, wo mich meine lebhafte Fantasie seit geraumer Zeit und Nacht für Nacht planspielmäßig hingeführt hat- in ihre rote Satinbettwäsche. Tja, und das völlig überraschend, zumindest für mich. Hätte ich mich doch heute Morgen, beim ausgiebigen Duschen, bloß nicht solange mit meinem besten Stück beschäftigt! Zum Glück trage ich meine marken- und trendgerechte Unterwäsche, eng anliegend pobetont versteht sich. Da soll noch mal eine behaupten, wir Jungs könnten nicht aus dem Bauch heraus wichtige Entscheidungen treffen. Allen Frauen sei gesagt, es gibt sie sehr wohl, die männliche Intuition. Sie, mein blonder Traum, liegt äußerst anschmiegsam halb auf mir, nur noch bekleidet mit Push -up BH im Leopardenfell- Look und dem dazugehörigen Stringtanga. Dieser Anblick öffentlich gemacht, würde allein schon eine plausible Erklärung abgeben, warum immer weniger junge Männer das katholische Priesteramt anstreben. Oder um es vereinfacht auszudrücken, mir bleibt die Luft weg!

Und dann noch dieser betörende Duft der von meiner Göttin ausgeht. So als habe sie vierzehn Tage in einer Wanne aus Milch und Honig gelegen. Mit allen Sinnen genießen, ja schon, doch habe ich plötzlich diese Schere im Kopf. Schnipp-Schnapp! Klar, Versagungsängste, die Zivilisationskrankheit Nummer Eins des modernen, männlichen Homo sapiens sapiens. Ich hab davon gehört (und nicht nur gehört!). Auch von der wenig tröstenden Feststellung keine Maschine zu sein. Bla, bla, bla. Aber warum trifft es mich, und warum ausgerechnet jetzt? Das nenne ich schicksalsmäßig einfach unfair. Die vollen Lippen leicht geöffnet, schaut sie mich mit ihren strahlend blauen Augen an und lächelt schäfchenweich. Es ist diese ach so verführerische Mischung aus Begierde, Unschuld und Hingabe, die uns Männer schon seit Menschengedenken dahin schmelzen und leider Gottes auch zu hirnlosen Marionetten werden lässt. So archaisch, so wirkungsvoll. Einmal vom süßen Nektar der weiblichen Lust genascht und der Schniedelträger klebt rettungslos und verloren in der Venusfalle. Dann wird aus dem vermeintlich starken Geschlecht, schwachsinnig textende Minnesänger und infantile Poeten. Ganz zur Erheiterung der holden Weiblichkeit, die es bis ins heutige Zeitalter hervorragend versteht, uns komplett in die Handtasche zu stecken, wieder herauszuschmeißen, um uns dann erneut einzupacken. Dieses Meisterstück gelingt ihnen, ohne dass wir auch bloß einen Hauch davon bemerken. Dazu gehört auch, dass sie in der Lage sind, dem aktuell agierenden Bettgespielen glaubhaft zu vermitteln, er sei das einzig wahre Alpha- Männchen und sie die kleine Frau im Ungewitter. Ich spüre ihre vortastenden Hände auf meiner Brust, auf meinem Bauch und schließlich diesen prüfend- zartfesten Griff an meinem Hinterteil. Fühle deutlich ihr Knie, wie es sich sanftfordernd an meiner empfindsamen Vorderseite reibt. Der erste Test! Auch ich schicke meine Finger auf Rundreise, öffne mit einer Hand, und ohne hinzuschauen, die Verschlusshaken ihres Push ups. Gelernt ist gelernt. Mein blonder Engel quittiert meine filigrane Offensive mit einem anerkennenden und lustvollen Knurren, gefolgt von einem Kuss der nicht leidenschaftlicher sein kann. Der erste Pluspunkt. Zeitgleich arbeiten sich die Finger meiner Linken in Richtung Bauchnabel vor und weiter abwärts, um sich dann langsam unter ihren String zu schieben. Mein Atem, flach, kaum hörbar, die Spannung steigt! Wie erwartet ist die natürlich- üppige Schambehaarung auf einen schmalen und kurzen Mittelstreifen gestutzt worden. Schließlich leben wir nicht mehr in zugigen Höhlen, die Eiszeit ist ebenfalls lange vorbei und die Spezies Neandertaler ist auch bereits vor 100.000 Jahren ausgestorben. Okay, zugegeben, im Wesentlichen nur die weiblichen. Meine Erfahrung und mein ausgeprägter Tastsinn verraten mir, dass die Frau meines Herzens paarungsbereit ist und ihre leisen, doch gut getimten Lustkiekser lassen mich frecher, selbstbewusster werden. Eine heiße Welle der Euphorie durchströmt mich und lässt das Blut durch meinen gesamten Körper rasen. Die Betonung liegt auf gesamt! Die dunklen Wolken der erektilen Dysfunktion, die sich in meinem Kopf hatten breit gemacht, scheinen sich in diesem Moment zu verflüchtigen. Jetzt bloß nicht nachdenken, sei ein Urmensch und folge deinem niedrigen Instinkt! Kleiner Tipp: Sollte die Vorstellungskraft nicht bis zu einem Urmensch reichen, genügt auch der geistig- moralische Rollentausch mit einem Skilehrer (es lebe das Vorurteil!). Mit katzengleicher Anmut entledigt sie sich erst ihres noch verbleibenden Dessous, um ihn kurz darauf vorsichtig, jedoch gekonnt zielstrebig aus und von meiner Boxershorts zu befreien. Einen Wimpernschlag später sitzt sie bereits auf mir, greift mit traumwandlerischer Sicherheit hinter sich, hebt dabei vielversprechend ihren reizenden Po an und...Cut!
Halten wir an dieser Stelle inne und frieren den Augenblick der Leidenschaft und des bevorstehenden Koitus ein.

  • Sehr, sehr schön! Ich habe viel und ausgiebig gelacht!

    LG
    Pauline
    Pauline Freitag, am 27. Juli 2010
  • Lieber Herr Wünsche,

    das Rittersöhnchen hat mir die Augen geöffnet...habe sehr gelacht! Besonders für Frauen eine empfehlenswerte Lektüre...

    Rita Sanders
    Rita Sanders, am 07. Juni 2010

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